PSP auralComp 2.0 im Test: Lohnt sich der Multichannel-Kompressor für Dolby Atmos und immersive Produktionen?
Mit Version 2.0 erhält PSP auralComp das bislang umfangreichste Update seit der Veröffentlichung. Die wichtigste Änderung ist dabei nicht die neue Oberfläche oder die überarbeitete Metering-Sektion, sondern die Erweiterung von einem einzelnen Kompressormodell auf vier unterschiedliche Charaktere. Damit entwickelt sich das Plugin von einer spezialisierten Dynamiklösung für immersive Produktionen zu einem deutlich flexibleren Werkzeug für verschiedene Mixing- und Mastering-Aufgaben.
Für Anwender, die ausschließlich in Stereo arbeiten, dürfte das Update zunächst unspektakulär wirken. Wer jedoch regelmäßig mit Dolby Atmos, 5.1-, 7.1.2- oder 9.1.6-Projekten arbeitet, findet hier einige Funktionen, die im Markt bislang nur selten in dieser Form kombiniert werden. Genau deshalb verdient PSP auralComp 2.0 eine genauere Betrachtung.
Einordnung: Warum dieses Release aktuell relevant ist
Der Markt für Kompressoren ist überfüllt. Nahezu jede größere Softwarefirma bietet heute mehrere Dynamikprozessoren an. Im Bereich immersiver Audioproduktion sieht die Situation jedoch anders aus.
Viele bekannte Kompressoren stammen ursprünglich aus der Stereo-Welt. Selbst hochwertige Lösungen wie FabFilter Pro-C 2, SSL Native Bus Compressor oder UAD API 2500 wurden nicht speziell für komplexe Mehrkanalumgebungen entwickelt.
Mit dem Wachstum von Dolby Atmos im Musikbereich entsteht jedoch ein neues Problem: Dynamikbearbeitung muss nicht nur musikalisch klingen, sondern gleichzeitig zahlreiche Kanäle konsistent kontrollieren. Ein klassischer Stereo-Kompressor skaliert hier oft nur bedingt.
PSP auralComp adressiert genau diese Lücke. Das Plugin wurde von Beginn an als Multichannel-Kompressor konzipiert und unterstützt Konfigurationen von Stereo über Mid/Side bis hin zu 9.1.6-Formaten. Zusätzlich lassen sich bis zu 16 Kanäle innerhalb eines Busses gemeinsam verwalten.
Damit konkurriert PSP nicht primär mit typischen Mixing-Kompressoren, sondern mit deutlich kleineren Spezialsegmenten im Bereich Immersive Audio und Post Production.
Funktionen und Änderungen in Version 2.0
Die auffälligste Neuerung sind die drei zusätzlichen Kompressortypen.
Bislang stand lediglich ein Opto-Modell zur Verfügung. Nun kommen FET, VCA und OldTimer hinzu. Dadurch verändert sich die praktische Einsetzbarkeit erheblich.
Opto bleibt die eher sanfte und musikalische Variante für Bus-Kompression und transparente Dynamikkontrolle.
FET reagiert deutlich aggressiver auf Transienten und eignet sich für moderne Drums, elektronische Produktionen und energiereiche Atmos-Mischungen.
VCA orientiert sich stärker an klassischer Bus-Kompression mit präziser Dynamikkontrolle und berechenbarem Verhalten.
OldTimer bringt eine etwas weichere, vintage-orientierte Dynamikcharakteristik mit, die vor allem bei akustischem Material interessant sein kann.
Hinzu kommt eine neue Gain-Reduction-Anzeige für den integrierten Limiter. Diese Änderung klingt auf dem Papier unspektakulär, verbessert im Alltag jedoch die Kontrolle über Pegelspitzen deutlich. Gerade bei Atmos-Beds und komplexen Surround-Bussen ist visuelles Feedback oft wichtiger als bei klassischen Stereo-Sessions.
Ebenfalls relevant sind die behobenen Fehler bei Latenzkompensation und Sidechain-Fenstern. Solche Probleme können insbesondere in großen Sessions schnell zu Workflow-Bremsen werden. Die Korrekturen zeigen, dass PSP hier aktiv auf Praxisfeedback reagiert hat.
Praxis: Wo PSP auralComp tatsächlich Vorteile bringt
Die größte Stärke des Plugins zeigt sich nicht beim Insert auf einer einzelnen Vocalspur.
Interessant wird es dort, wo mehrere Lautsprechergruppen gleichzeitig kontrolliert werden müssen.
Ein typisches Beispiel:
Ein Atmos-Mix besitzt Frontkanäle, Surround-Kanäle, Height-Layer und einen LFE-Kanal. Wird hier ein herkömmlicher Kompressor eingesetzt, kann der Tieftonbereich überproportional die gesamte Gain Reduction beeinflussen.
PSP auralComp arbeitet mit mehreren Sidechain-Submixes, die unabhängig konfiguriert und gefiltert werden können. Dadurch lässt sich beispielsweise verhindern, dass ein LFE-Impuls das Verhalten der Höhenkanäle beeinflusst. Genau solche Funktionen fehlen vielen traditionellen Kompressoren.
Auch im Stereo-Bereich ergeben sich interessante Anwendungen.
Durch die Mid/Side-Unterstützung kann auralComp als Bus-Kompressor für moderne Pop-, Electronic- oder Mastering-Projekte genutzt werden. Allerdings ist das Plugin hier funktional oft deutlich komplexer als notwendig.
Für klassische Stereo-Mixe wird ein FabFilter Pro-C 2 oder DMG Compassion in vielen Situationen schneller zum Ziel führen.
Seine eigentliche Stärke spielt PSP auralComp aus, wenn mehrere Kanalgruppen intelligent miteinander interagieren müssen.
Stärken von PSP auralComp 2.0
Durchdachte Multichannel-Architektur.
Viele Hersteller haben bestehende Stereo-Kompressoren nachträglich für Atmos erweitert. PSP hat den umgekehrten Weg gewählt. Das merkt man an nahezu jeder Designentscheidung.
Flexible Sidechain-Struktur.
Die Möglichkeit, mehrere Sidechain-Submixe unabhängig zu definieren, eröffnet Arbeitsweisen, die mit klassischen Kompressoren nur über kompliziertes Routing erreichbar wären.
Vier Kompressorcharaktere statt Einheitslösung.
Version 2.0 beseitigt eine der größten Einschränkungen der ersten Generation. Anwender erhalten deutlich mehr klangliche Optionen.
Skalierbarkeit bis 9.1.6.
Für professionelle Atmos-Produktionen ist dies ein wichtiger Punkt. Die Unterstützung komplexer Lautsprecherlayouts gehört zu den Kernkompetenzen des Plugins.
Vergleichsweise niedrige CPU-Belastung.
Mehrere Anwenderberichte und frühe Praxiserfahrungen deuten darauf hin, dass PSP die Ressourcennutzung gut optimiert hat. Gerade bei großen immersiven Projekten ist das ein relevanter Faktor.
Schwächen und Einschränkungen
Nicht jeder Nutzer profitiert gleichermaßen von diesem Plugin.
Der Preis bleibt ambitioniert.
Der reguläre Listenpreis von 299 Dollar bewegt sich klar im professionellen Segment. Der Einführungspreis von 99 Dollar wirkt deutlich attraktiver als die spätere Standardpreisgestaltung.
Für reine Stereo-Projekte teilweise überdimensioniert.
Wer ausschließlich Songs für Streaming-Plattformen mischt, wird viele Funktionen vermutlich nie nutzen.
Lernkurve höher als bei Standard-Kompressoren.
Die Sidechain-Architektur und Kanalverwaltung bieten enorme Möglichkeiten, verlangen aber Einarbeitung.
Begrenzte Marktverbreitung.
Während FabFilter, SSL oder UAD praktisch in jedem Studio anzutreffen sind, bleibt PSP auralComp aktuell ein Spezialwerkzeug mit deutlich kleinerer Nutzerbasis.
Vergleich mit Alternativen
FabFilter Pro-C 2
Pro-C 2 bietet mehr Visualisierungsmöglichkeiten, schnellere Bedienung und eine etablierte Position im Markt. Für klassische Stereo-Mixe bleibt FabFilter oft die effizientere Wahl.
DMG Compassion
Extrem flexibel und technisch tiefgehend. Gleichzeitig deutlich komplexer. PSP wirkt im direkten Vergleich zugänglicher.
Avid Pro Multiband Dynamics
Vor allem in Post-Production-Umgebungen verbreitet. PSP liefert die modernere Benutzeroberfläche und flexiblere Sidechain-Ansätze.
iZotope Ozone Dynamics
Stärker auf Mastering ausgerichtet. Weniger spezialisiert für immersive Bus-Strukturen.
SSL Native Bus Compressor
Klanglich weiterhin ein Klassiker. Bei komplexen Atmos-Projekten fehlen jedoch zahlreiche Routing- und Multichannel-Funktionen, die PSP standardmäßig integriert.
Was bedeutet PSP auralComp für Stereo-Mixing und Mastering?
Viele Produzenten werden sich die gleiche Frage stellen: Kann PSP auralComp auch dann sinnvoll sein, wenn keine Dolby-Atmos- oder Surround-Projekte produziert werden?
Technisch gesehen lautet die Antwort ja. Das Plugin unterstützt klassische Stereo-Konfigurationen, Mid/Side-Bearbeitung und verschiedene Kompressorcharaktere, die sich problemlos auf Mix- oder Master-Bussen einsetzen lassen.
In der Praxis entsteht jedoch ein anderes Bild.
Für typisches Stereo-Mixing bieten Werkzeuge wie FabFilter Pro-C 2, DMG Compassion oder SSL Bus Compressor häufig den schnelleren Workflow. Sie wurden für klassische Musikproduktionen optimiert und benötigen weniger Konfiguration.
PSP auralComp entfaltet seine eigentlichen Vorteile erst dann, wenn mehrere Kanäle oder Lautsprechergruppen gleichzeitig kontrolliert werden müssen.
Für EDM-Produzenten kann der FET-Modus interessant sein, wenn schnelle Transientenkontrolle gefragt ist. Bei orchestralen Produktionen oder Filmmusik wiederum profitieren komplexe Bus-Strukturen von der flexiblen Sidechain-Architektur.
Auch im Stem Mastering ergeben sich sinnvolle Einsatzgebiete. Werden Drums, Instrumente, Vocals und zusätzliche Atmos-Elemente getrennt bearbeitet, lassen sich Dynamikprozesse deutlich präziser steuern als mit vielen klassischen Stereo-Kompressoren.
Wer ausschließlich Stereo-Singles für Streaming-Plattformen produziert, wird jedoch nur einen Teil des Potenzials ausschöpfen.
PSP auralComp vs. FabFilter Pro-C 2: Welcher Kompressor ist die bessere Wahl?
Der Vergleich mit FabFilter Pro-C 2 drängt sich nahezu automatisch auf, da beide Plugins professionelle Dynamikbearbeitung ermöglichen, jedoch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.
FabFilter Pro-C 2 gehört nach wie vor zu den vielseitigsten Stereo-Kompressoren am Markt. Die Bedienung ist äußerst intuitiv, das Visualisierungssystem hervorragend umgesetzt und die Integration in klassische Mixing-Workflows nahezu perfekt.
PSP auralComp verfolgt einen anderen Ansatz.
Statt maximale Effizienz im Stereo-Bereich zu bieten, konzentriert sich das Plugin auf Mehrkanalproduktionen und immersive Audioumgebungen. Dort verfügt es über Routing- und Sidechain-Möglichkeiten, die FabFilter Pro-C 2 in dieser Form nicht bereitstellt.
Für klassische Musikproduktionen, Podcast-Mastering oder Streaming-Mixe bleibt Pro-C 2 meist die wirtschaftlichere Wahl.
Für Dolby Atmos, Filmton, Broadcast oder komplexe Stem-Strukturen kann PSP auralComp dagegen einen echten funktionalen Vorteil bieten.
Die Entscheidung hängt deshalb weniger vom Klang als vom jeweiligen Workflow ab.
Bewertung
PSP auralComp 2.0 ist kein Plugin für die breite Masse.
Wer einen weiteren Standard-Kompressor für Stereo-Mixe sucht, findet günstigere und teilweise effizientere Alternativen.
Für immersive Produktionen sieht die Bewertung anders aus.
Die Kombination aus Multichannel-Fokus, flexibler Sidechain-Architektur, vier Kompressorcharakteren und Unterstützung komplexer Lautsprecherkonfigurationen macht PSP auralComp derzeit zu einer der interessantesten Dynamiklösungen für Atmos-Workflows.
Version 2.0 behebt mehrere Schwächen der Erstversion und erweitert die klangliche Flexibilität deutlich. Das Plugin wirkt heute wesentlich vollständiger als zum ursprünglichen Release.
Entscheidung: Für wen lohnt sich PSP auralComp 2.0?
Geeignet für:
- Dolby-Atmos-Mixer
- Filmton-Studios
- Post-Production-Umgebungen
- Surround- und Immersive-Produktionen
- Professionelle Musikproduktionen mit komplexem Routing
Weniger geeignet für:
- Einsteiger im Home-Studio
- Reine Stereo-Mixing-Projekte
- Nutzer mit begrenztem Plugin-Budget
- Produzenten, die lediglich einen universellen Kompressor suchen
Unterm Strich ist PSP auralComp 2.0 kein Massenprodukt, sondern ein spezialisiertes Werkzeug. Genau darin liegt seine Stärke. Während viele Hersteller versuchen, Stereo-Konzepte auf Atmos zu übertragen, wurde dieses Plugin von Anfang an für immersive Audio-Workflows entwickelt. Für die Zielgruppe ist das deutlich relevanter als jede Marketingaussage.
Lohnt sich PSP auralComp 2.0 im Jahr 2026?
Die Preisgestaltung gehört zu den interessantesten Aspekten von PSP auralComp 2.0. Während der Einführungspreis von 99 US-Dollar das Plugin in direkte Konkurrenz zu vielen etablierten Mixing-Werkzeugen bringt, wirkt der reguläre Preis von 299 US-Dollar deutlich anspruchsvoller.
Für reine Stereo-Produktionen stellt sich die Frage nach dem Mehrwert besonders kritisch. In diesem Bereich existieren zahlreiche Alternativen wie FabFilter Pro-C 2, SSL Bus Compressor oder DMG Compassion, die ähnliche Aufgaben oft mit einem einfacheren Workflow erfüllen.
Anders sieht die Situation bei Dolby-Atmos-, Surround- und Immersive-Audio-Projekten aus. Hier wird das Angebot an spezialisierten Dynamikprozessoren deutlich kleiner. Genau in diesem Segment kann PSP auralComp seine Multichannel-Architektur, die flexible Sidechain-Verwaltung und die Unterstützung komplexer Lautsprecherkonfigurationen ausspielen.
Ob sich die Investition lohnt, hängt deshalb weniger von der Klangqualität als vom tatsächlichen Einsatzgebiet ab. Wer regelmäßig mit Mehrkanalproduktionen arbeitet, erhält ein Werkzeug, das nur wenige direkte Konkurrenten besitzt. Für Anwender, die ausschließlich Stereo-Mixe oder Streaming-Master erstellen, dürfte der praktische Nutzen dagegen deutlich geringer ausfallen.
FAQ zu PSP auralComp 2.0
Welche DAWs werden von PSP auralComp unterstützt?
Das Plugin ist für VST3, AU und AAX verfügbar. Damit werden unter anderem Cubase, Nuendo, Logic Pro, Pro Tools, Studio One und Reaper unterstützt.
Kann PSP auralComp einen klassischen Master-Bus-Kompressor ersetzen?
Ja. Durch Mid/Side-Verarbeitung, Limiter und die vier Kompressorcharaktere kann das Plugin auch auf Stereo-Bussen eingesetzt werden. Seine größten Vorteile entstehen jedoch in Multichannel-Projekten.
Wie hoch ist die CPU-Auslastung im Vergleich zu anderen Kompressoren?
Im Verhältnis zu seinem Funktionsumfang arbeitet auralComp überraschend effizient. Besonders bei größeren Atmos-Sessions fällt dies positiv auf.
Unterscheiden sich die vier Kompressortypen klanglich deutlich?
Ja. FET reagiert schneller und aggressiver, VCA kontrollierter und präziser, Opto eher weich und musikalisch, während OldTimer einen stärker vintage-orientierten Charakter besitzt.
Lohnt sich das Upgrade auf Version 2.0?
Für bestehende Nutzer ist vor allem die Erweiterung um drei zusätzliche Kompressormodelle interessant. Dadurch steigt die klangliche Flexibilität deutlich.
Welche Dolby-Atmos-Kompressoren gelten derzeit als Industriestandard?
Je nach Anwendung sind FabFilter Pro-C 2, DMG Compassion, Avid Dynamics-Lösungen oder verschiedene Post-Production-Tools relevante Alternativen. PSP punktet vor allem bei der Multichannel-Integration.
Lohnt sich PSP auralComp für Produzenten ohne Dolby-Atmos-Setup?
Grundsätzlich ja. Die erweiterten Sidechain-Funktionen und Kanalgruppen setzen jedoch ein gewisses Verständnis von Routing und Dynamikbearbeitung voraus.
Ist der aktuelle Einführungspreis attraktiv?
Ja. Der Abstand zwischen Einführungsangebot und regulärem Listenpreis ist erheblich. Wer das Plugin ernsthaft einsetzen möchte, erhält während der Rabattphase das deutlich bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.





