Arturia MiniLab 37 Test: Mehr Tasten, besserer Workflow oder nur ein vergrößertes MiniLab?
Mit dem Arturia MiniLab 37 reagiert Arturia auf einen Kritikpunkt, der die MiniLab-Serie seit Jahren begleitet: der begrenzte Tonumfang der 25-Tasten-Version. Das neue Modell erweitert das Konzept um zwölf zusätzliche Slim-Keys und richtet sich damit an Produzenten, die unterwegs arbeiten möchten, ohne ständig zwischen Oktaven umschalten zu müssen. Die Grundidee bleibt unverändert: kompakte Abmessungen, DAW-Integration, MIDI-Steuerung und ein umfangreiches Softwarepaket. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob die zusätzlichen Tasten den praktischen Nutzen tatsächlich erhöhen oder ob andere Controller in dieser Preisklasse mittlerweile die interessanteren Alternativen darstellen.
Einordnung im aktuellen MIDI-Controller-Markt
Der Markt für kompakte MIDI-Keyboards ist in den vergangenen Jahren deutlich dichter geworden. Hersteller wie Novation, Akai, Nektar und M-Audio bieten inzwischen Controller an, die weit über einfache Tastatureingaben hinausgehen. Produzenten erwarten heute Transportsteuerung, Preset-Browsing, DAW-Mapping, Performance-Funktionen und eine möglichst direkte Integration in bestehende Produktionsumgebungen.
Genau hier positioniert sich das MiniLab 37. Es ersetzt nicht die größeren KeyLab-Modelle und konkurriert auch nicht mit Sequencer-orientierten Geräten wie dem KeyStep 37. Stattdessen schließt es die Lücke zwischen ultrakompakten 25-Tasten-Controllern und klassischen 49-Tasten-Keyboards. Der zusätzliche Spielraum von zwölf Tasten wirkt auf dem Papier unspektakulär, verändert aber den Workflow stärker als viele technische Daten vermuten lassen.
Für Produzenten elektronischer Musik, Sounddesigner und Home-Studios entsteht damit eine interessante Zwischenlösung: ausreichend kompakt für den Schreibtisch, gleichzeitig groß genug für zweihändiges Spielen von Akkorden und Melodien.
Funktionen und technische Neuerungen
Technisch basiert das MiniLab 37 weitgehend auf der Architektur des MiniLab 3. Die größte Änderung ist selbstverständlich die Erweiterung auf 37 anschlagdynamische Slim-Keys. Hinzu kommt eine überarbeitete Bedienoberfläche mit zentral positioniertem Display und einer ergonomischeren Anordnung der Bedienelemente.
Zur Ausstattung gehören:
- 37 anschlagdynamische Slim-Keys
- 8 RGB-Pads
- 8 frei belegbare Encoder
- 4 Fader
- Arpeggiator
- Chord Mode
- OLED-/LED-Display mit Browser-Funktion
- USB-C-Anschluss
- 5-poliger MIDI-Ausgang
- DAW-Mappings für Ableton Live, Logic Pro, Cubase, FL Studio, Bitwig und weitere Systeme
Besonders interessant bleibt die Integration von Analog Lab Intro. Für Anwender, die noch keine umfangreiche Instrumentensammlung besitzen, entsteht dadurch ein sofort einsatzbereites Produktionssystem. Gleichzeitig profitieren bestehende Arturia-Nutzer von der engen Verzahnung mit der eigenen Softwareplattform.
Neu ist weniger die Funktionsliste als vielmehr deren Anordnung. Die größere Gehäusebreite erlaubt eine deutlich entspanntere Bedienung. Encoder, Fader und Display wirken weniger gedrängt als beim MiniLab 3. Dieser Punkt wird häufig unterschätzt, hat im Produktionsalltag jedoch direkten Einfluss auf Geschwindigkeit und Bedienkomfort.
Praxis im Studio-Alltag
Im Mixing- und Mastering-Bereich spielt die Tastaturgröße naturgemäß eine untergeordnete Rolle. Dennoch wird ein MIDI-Controller häufig für Automationen, Instrumenten-Layer, Referenz-Trigger oder schnelle Sounddesign-Aufgaben eingesetzt.
Genau hier zeigt sich der größte Vorteil des MiniLab 37.
Bei 25-Tasten-Controllern stößt man regelmäßig an Grenzen. Basslinie aufnehmen, Oktave wechseln, Akkord ergänzen, erneut umschalten – solche Unterbrechungen wirken klein, summieren sich aber über eine Produktionssession erheblich.
Mit 37 Tasten lassen sich deutlich häufiger komplette musikalische Ideen ohne Oktavwechsel einspielen. Besonders bei:
- Synth-Pads
- Film- und Ambient-Kompositionen
- Piano-Skizzen
- Bass- und Lead-Kombinationen
- Layering mehrerer Instrumente
wird der zusätzliche Tonumfang sofort spürbar.
Für elektronische Genres wie House, Techno, Melodic Techno oder Progressive House reicht der verfügbare Bereich häufig aus, um komplette Pattern direkt einzuspielen.
Auch das Browser-Konzept von Arturia beschleunigt den Workflow. Sounds können direkt aus Analog Lab durchsucht werden, ohne permanent zur Maus greifen zu müssen. Gerade bei Sounddesign-Sessions spart das Zeit.
Wo das MiniLab 37 überzeugt
Der größte Pluspunkt ist die Balance zwischen Größe und Spielbarkeit.
Viele Hersteller bieten entweder ultrakompakte Controller mit eingeschränktem Tonumfang oder deutlich größere Keyboards an. Das MiniLab 37 landet genau dazwischen.
Weitere Stärken:
- sehr kompakte Stellfläche
- durchdachte DAW-Integration
- brauchbare Pads für Drum-Programmierung
- direkter MIDI-Out für Hardware-Synthesizer
- umfangreiches Softwarepaket
- Arpeggiator und Chord-Funktionen direkt integriert
Besonders Produzenten mit begrenztem Arbeitsplatz profitieren davon. Auf einem typischen Home-Studio-Schreibtisch beansprucht das Gerät deutlich weniger Platz als ein klassisches 49-Tasten-Keyboard.
Die Integration externer Hardware ist ebenfalls positiv zu bewerten. Dank MIDI-DIN-Ausgang lässt sich das MiniLab 37 nicht nur als DAW-Controller, sondern auch als zentrale Eingabeeinheit für Synthesizer-Rigs nutzen.
Schwächen und Einschränkungen
Trotz der gelungenen Erweiterung bleiben einige Kritikpunkte bestehen.
Die Slim-Keys sind nicht jedermanns Sache.
Wer regelmäßig Piano-Passagen einspielt oder von gewichteten Tastaturen kommt, wird den Unterschied sofort bemerken. Für Synthesizer-Arbeit ist die Tastatur ausreichend, für anspruchsvolles Pianospiel jedoch nicht die optimale Wahl.
Auch das kleine Display bleibt ein Kompromiss. Parameterbearbeitung, Arpeggiator-Konfiguration und tiefere Einstellungen funktionieren zwar, wirken aber nicht immer komfortabel. Mehrere Tester weisen darauf hin, dass komplexere Funktionen auf dem kleinen Screen umständlicher bedient werden als bei größeren Controller-Systemen.
Ebenfalls kritisch:
- kein Aftertouch
- keine Motorfader
- Touchstrips statt klassischer Pitch- und Modulationsräder
- begrenzte Tiefe der DAW-Steuerung
Wer umfangreiche Mixing-Projekte ausschließlich über einen Controller steuern möchte, findet bei größeren Geräten deutlich mehr Möglichkeiten.
Vergleich mit Alternativen
Der stärkste Konkurrent dürfte aktuell das Novation Launchkey 37 darstellen. Novation bietet eine sehr tiefe Ableton-Integration und umfangreiche Performance-Funktionen. Dafür fällt das Gerät größer aus.
Das Akai MPK Mini Plus verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie das MiniLab 37. Hier stehen zusätzlich ein Sequencer und Transportfunktionen stärker im Vordergrund. Die Softwareintegration wirkt allerdings weniger geschlossen als im Arturia-Ökosystem.
Interessant bleibt auch Arturias eigenes KeyStep 37.
Während das MiniLab 37 klar auf DAW-Workflows abzielt, richtet sich das KeyStep 37 stärker an Hardware-Nutzer, Modular-Systeme und Live-Performer. Sequencer, CV-Anschlüsse und umfangreichere Performance-Funktionen machen es zur flexibleren Hardware-Zentrale.
Wer hauptsächlich Software-Instrumente steuert, dürfte mit dem MiniLab 37 jedoch schneller ans Ziel kommen.
Fachliche Bewertung
Das MiniLab 37 löst kein revolutionäres Problem.
Es behebt jedoch eine der größten Einschränkungen des MiniLab-Konzepts. Die zusätzlichen zwölf Tasten erhöhen den praktischen Nutzen erheblich stärker als viele Marketinggrafiken vermuten lassen.
Aus Workflow-Sicht ist die neue Version deutlich attraktiver als das bisherige 25-Tasten-Modell.
Die eigentliche Stärke liegt nicht in den Pads, Encodern oder Fadern. Diese Ausstattung bieten mittlerweile viele Controller.
Entscheidend ist die Kombination aus:
- 37 Tasten
- kompaktem Gehäuse
- MIDI-Out
- starker Softwareintegration
- Arturia-Ökosystem
Dadurch entsteht ein Controller, der sowohl für Einsteiger als auch für fortgeschrittene Produzenten interessant bleibt.
Kaufentscheidung: Für wen lohnt sich das MiniLab 37?
Empfehlenswert für:
- Home-Studios mit wenig Platz
- elektronische Musikproduktion
- Sounddesigner
- Songwriter
- mobile Produzenten
- bestehende Arturia-Nutzer
Weniger geeignet für:
- Pianisten
- Orchester-Komponisten
- fortgeschrittene Live-Keyboarder
- Anwender mit Fokus auf gewichtete Tastaturen
Unterm Strich wirkt das MiniLab 37 wie die Version, die viele Anwender bereits beim MiniLab 3 erwartet hatten. Es bleibt kompakt, beseitigt aber den größten Workflow-Flaschenhals der Serie. Wer regelmäßig mit virtuellen Instrumenten arbeitet und keinen Platz für ein größeres Keyboard hat, erhält hier eine der derzeit sinnvollsten Lösungen im unteren Preisbereich.
FAQ zum Arturia MiniLab 37
Funktioniert das MiniLab 37 mit allen gängigen DAWs?
Ja. Offizielle Mappings existieren unter anderem für Ableton Live, Logic Pro, Cubase, FL Studio und Bitwig. Zusätzlich lässt sich der Controller frei konfigurieren.
Verursacht das MiniLab 37 zusätzliche CPU-Last?
Nein. MIDI-Controller erzeugen praktisch keine relevante Prozessorlast. Die CPU-Auslastung hängt von den verwendeten Instrumenten und Plugins ab.
Eignet sich das Gerät für Mixing und Mastering?
Für Automationen, Plugin-Steuerung und Referenz-Trigger ja. Als vollständiger Mixing-Controller ersetzt es jedoch keine spezialisierten Control-Surfaces.
Ist das Upgrade vom MiniLab 3 sinnvoll?
Wer häufig Oktavwechsel nutzt oder mehr Spielraum für Akkorde benötigt, profitiert deutlich. Für reine Drum-Programmierung fällt der Mehrwert geringer aus.
Wie gut funktioniert die Hardware-Integration?
Dank MIDI-DIN-Ausgang lassen sich externe Synthesizer direkt ansteuern. Das macht den Controller auch außerhalb der DAW interessant.
Ist das MiniLab 37 besser als das KeyStep 37?
Nicht grundsätzlich. Das MiniLab 37 ist stärker auf DAW-Workflows ausgelegt. Das KeyStep 37 bietet mehr Funktionen für Hardware-Setups und Sequencing.
Sind die Slim-Keys ein Nachteil?
Für Pianisten oft ja. Für elektronische Musikproduktion, Synthesizer-Arbeit und mobiles Producing meist nicht.
Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis einzuschätzen?
Im Segment kompakter 37-Tasten-Controller gehört das MiniLab 37 aktuell zu den ausgewogensten Angeboten, insbesondere durch die Kombination aus Hardware, Softwarepaket und DAW-Integration.





