Время работы: 9:00-20:00 (воскресенье - выходной) | sales@arefyevstudio.com

UVI Synth Anthology 5 Test: 300 Hardware-Synthesizer analysiert

6 Juli , 2026

Synth Anthology 5

UVI Synth Anthology 5 im Test: Was 300 gesampelte Hardware-Synthesizer im Studio wirklich leisten

UVI Synth Anthology 5 basiert auf einer klaren technischen Entscheidung: Die enthaltenen Hardware-Synthesizer werden nicht als vollständige Software-Modelle nachgebaut. UVI nimmt ausgewählte Klänge der Originalgeräte auf und überführt dieses Material in eine gemeinsame Engine. Damit unterscheidet sich das Instrument grundlegend von dedizierten Emulationen, bei denen Oszillatoren, Filter, Modulationswege und weitere Bestandteile eines konkreten Synthesizers in Software nachgebildet werden.

Diese Grenze ist für die Bewertung entscheidend. Synth Anthology 5 stellt 300 Hardware-Quellen bereit, aber keine 300 virtuellen Nachbildungen der Originalgeräte. Der Zugriff auf analoge, digitale, hybride, FM-, Wavetable-, Vector-, additive und PCM-basierte Klänge ist dafür deutlich schneller und einheitlicher als bei einer entsprechend großen Sammlung einzelner Plugins. Im Studio geht es deshalb weniger um historische Authentizität als um die Frage, wie effizient sich unterschiedliche Klangcharaktere finden, kombinieren und an ein Arrangement anpassen lassen.

Gegenüber Synth Anthology 4 wächst die Zahl der erfassten Hardware-Instrumente von 200 auf 300. Neu hinzugekommen sind mehr als 1.000 Sound-Layer, über 16.000 Samples und mehr als 300 Presets. Insgesamt stehen über 6.000 Presets und Layer zur Verfügung. Zwei zusätzliche Filtermodelle, Analog Drift sowie ein erweiterter Sequenzer sollen vor allem dort ansetzen, wo sample-basierte Instrumente konstruktionsbedingt an Grenzen stoßen: bei klanglicher Bewegung, Variation und der nachträglichen Formung des aufgenommenen Materials.

Die Größe der Library allein sagt jedoch wenig über ihren Wert in der Audioproduktion aus. Entscheidend ist, ob die gemeinsame Engine die Suche nach passenden Sounds tatsächlich verkürzt, ob sich die beiden Layer funktional statt nur klanglich spektakulär kombinieren lassen und wie gut das Instrument in umfangreichen Projekten beherrschbar bleibt. Daran muss sich UVI Synth Anthology 5 im praktischen Workflow messen lassen.

VOR NACH DEM MASTERING HÖREN SIE DEN UNTERSCHIED

Wenn zu viele Synthesizer den Produktionsfluss ausbremsen

In gut ausgestatteten Studios fehlt es selten an Synthesizer-Sounds. Häufiger ist der Bestand so stark fragmentiert, dass die Auswahl selbst zum Problem wird. Verschiedene Plugins verwenden eigene Browser, Kategorien, Favoritensysteme und Pegelstrukturen. Ein Bass aus Instrument A lässt sich deshalb nicht so direkt mit einem Patch aus Instrument B vergleichen, wie es die Preset-Namen vermuten lassen.

Der Zeitverlust entsteht nicht beim Laden eines einzelnen Plugins, sondern durch viele kleine Unterbrechungen. Instrument öffnen, Kategorie wählen, Presets vorhören, Pegel anpassen, wieder schließen und im nächsten Browser von vorn beginnen. Dabei geht leicht der Bezug zum Arrangement verloren. Nach zwanzig beeindruckenden Sounds ist oft weniger klar als zuvor, welcher davon die konkrete Funktion im Stück erfüllt.

Synth Anthology 5 setzt genau an dieser Fragmentierung an. Die 300 Hardware-Quellen liegen nicht als Sammlung separater Emulationen vor, sondern werden über dieselbe Oberfläche, dieselbe Layer-Struktur und dieselben Bearbeitungsstufen zugänglich gemacht. Das erleichtert direkte Vergleiche und hält den technischen Ablauf konstant, während sich der Klangcharakter deutlich ändern kann.

Besonders relevant wird das beim Layering. Ein Bass benötigt möglicherweise ein stabiles Fundament und einen zweiten Anteil für Attack und Obertonstruktur. Bei einem Pad können Grundkörper und Bewegung aus unterschiedlichen Quellen stammen. Solche Kombinationen lassen sich mit zwei Plugins ebenfalls aufbauen, erfordern dann aber zusätzliche Spuren, Routings und häufig getrennte Automation. In Synth Anthology 5 bleiben beide Komponenten innerhalb eines Patches zusammengefasst.

Das spart nicht automatisch Zeit. Wer sich ohne klare klangliche Aufgabe durch Tausende Presets arbeitet, kann auch in einer einzigen Oberfläche stecken bleiben. Der Workflow-Vorteil entsteht erst dann, wenn ein Sound bereits funktional eingegrenzt ist: mehr Attack, weniger spektrale Dichte, eine andere Textur oder ein bewegterer Sustain-Anteil. Unter dieser Voraussetzung verkürzt die gemeinsame Engine den Weg zwischen Vergleich, Auswahl und Anpassung deutlich.

Warum Hardware-Libraries trotz präziser Software-Emulationen relevant bleiben

Der Markt für Software-Synthesizer ist heute stärker spezialisiert als noch vor einigen Jahren. Für viele bekannte Klassiker gibt es detaillierte Emulationen, die nicht nur den Grundklang, sondern auch Oszillatorverhalten, Filterreaktion, Modulationswege und typische Nichtlinearitäten des Originals nachbilden. Parallel dazu werden universelle Instrumente immer umfangreicher. Damit stellt sich für eine sample-basierte Hardware-Sammlung eine berechtigte Frage: Welchen Vorteil bietet sie noch, wenn einzelne Synthesizer bereits wesentlich genauer emuliert werden?

Die Antwort liegt weniger in der Klangtreue eines einzelnen Geräts als in der verfügbaren Bandbreite. Eine dedizierte Emulation lohnt sich vor allem dann, wenn die Architektur des Originals selbst Teil des Workflows ist. Für viele Produktionen wird jedoch kein bestimmtes Instrument gesucht, sondern eine konkrete Funktion: ein kurzer digitaler Attack, ein stabiler Basskörper, eine körnige Textur oder ein Pad, das Bewegung erzeugt, ohne den mittleren Frequenzbereich zu überladen.

In solchen Situationen ist die Herkunft des Sounds zweitrangig. Entscheidend ist, ob sich das Material schnell beurteilen und in das Arrangement einpassen lässt. Gerade hier hat eine große Hardware-Library einen praktischen Vorteil: Sie stellt sehr unterschiedliche Syntheseepochen und Klangcharaktere unter denselben Arbeitsbedingungen bereit. Der Wechsel von einer analogen zu einer frühen digitalen oder hybriden Quelle erfordert weder ein neues Bedienkonzept noch einen anderen Preset-Browser.

Besonders relevant sind dabei Geräte, für die keine überzeugende eigenständige Software-Emulation existiert. Bei häufig modellierten Klassikern kann Synth Anthology 5 eine spezialisierte Emulation kaum in der programmiertechnischen Tiefe ersetzen. Seltene digitale, hybride und weniger bekannte Hardware erweitert den verfügbaren Klangbestand dagegen tatsächlich, statt nur eine weitere Variante bereits vielfach vorhandener Synthesizer bereitzustellen.

Für die Audioproduktion verschiebt sich damit der Schwerpunkt von der Frage „Wie exakt verhält sich dieses Instrument wie das Original?“ zu „Wie schnell erfüllt dieser Klang seine Aufgabe im Stück?“. Das betrifft auch den späteren Mix: Eine Quelle mit passender Hüllkurve, Obertonstruktur und räumlicher Ausdehnung benötigt in der Regel weniger Korrektur als ein spektakulärer Preset-Sound, der gegen das Arrangement arbeitet.

Für das Mastering bleibt der Nutzen indirekt. Synth Anthology 5 ist kein Werkzeug für spektrale Balance, Dynamik oder Lautheit. Die Produktionsentscheidungen, die mit dem Instrument getroffen werden, können das Mastering jedoch deutlich beeinflussen. Mehrere dichte Layer, instabile Tiefbassanteile oder stark dekorrelierte Stereosignale erhöhen den späteren Kontrollbedarf. Die Qualität des Endergebnisses hängt deshalb weniger von der Größe der Library ab als davon, wie diszipliniert ihre klangliche Breite eingesetzt wird.

Sampling statt Emulation: Wo die technische Grenze der Synth Anthology 5 verläuft

Die Klangerzeugung der Synth Anthology 5 beginnt nicht mit virtuellen Oszillatoren, sondern mit Aufnahmen realer Instrumente. Gespeichert wird damit ein definierter Zustand der Hardware: Tonhöhe, Klangfarbe, Filterstellung, Modulation und weitere Eigenschaften des jeweiligen Patches sind bereits Teil des Ausgangsmaterials. Die UVI-Engine übernimmt anschließend Wiedergabe, Mapping und weitere Bearbeitung.

Dieses Verfahren kann den Charakter einer Quelle sehr direkt erfassen. Die spektrale Signatur eines Patches, Unregelmäßigkeiten analoger Stimmen oder Eigenheiten älterer digitaler Instrumente werden nicht erst algorithmisch rekonstruiert, sondern stammen aus dem aufgenommenen Signal. Bei Hardware, für die keine eigenständige Software-Nachbildung existiert, ist das ein wesentlicher Vorteil: Ein charakteristischer Klangzustand lässt sich konservieren, ohne die komplette Klangerzeugung des Originals modellieren zu müssen.

Der entscheidende Unterschied zeigt sich, sobald ein Parameter verändert wird. Bei einer modellierten Emulation wird der Klang innerhalb der nachgebildeten Architektur neu berechnet. Verändert der Anwender dort Cutoff, Resonanz, Oszillator-Sync oder Cross-Modulation, reagiert das gesamte System entsprechend seiner internen Struktur. Bei einem gesampelten Patch bleibt die ursprüngliche Aufnahme der Ausgangspunkt. Nachträgliche Filterung, Hüllkurven und Modulation bearbeiten dieses bereits erzeugte Material.

Das ist mehr als ein theoretischer Unterschied. Wird beispielsweise ein aufgenommener Synthesizer-Sound in der UVI-Engine gefiltert, verändert sich nicht rückwirkend die Oszillator-Filter-Interaktion des Originalgeräts. Auch komplexe FM-Strukturen, Feedback-Wege oder das Verhalten synchronisierter Oszillatoren lassen sich aus einem fertigen Sample nicht frei rekonstruieren. Der Klang kann der Hardware sehr nahe sein, seine Reaktion auf Eingriffe folgt jedoch der Architektur des Software-Instruments.

In der Praxis hängt die Bedeutung dieser Grenze vom Einsatz ab. Für Anpassungen von Attack, Decay, Filterung, Tonhöhe, Layer-Verhältnis oder Bewegung bietet das Konzept ausreichend Spielraum. Schwieriger wird es, wenn die ursprüngliche Synthesestruktur selbst Teil des Sound Designs sein soll. Wer einen Patch grundlegend umbauen, Modulationswege neu verschalten oder das nichtlineare Verhalten eines bestimmten Instruments gezielt ausreizen möchte, arbeitet mit einer dedizierten Emulation oder einem vollwertigen Synthesizer präziser.

Die technische Stärke der Synth Anthology 5 liegt deshalb nicht in der vollständigen Rekonstruktion ihrer Hardware-Quellen. Sie liegt darin, charakteristische Klangzustände realer Instrumente als konsistentes Ausgangsmaterial für einen gemeinsamen Produktions-Workflow bereitzustellen.

Die Dual-Layer-Engine: Wo aus der Library ein Produktionsinstrument wird

Die eigentliche Arbeitsoberfläche der Synth Anthology 5 besteht aus zwei weitgehend unabhängigen Layern. A und B können unterschiedliche Klangquellen laden, separat gepegelt und in ihren Tastaturbereichen begrenzt werden. Der zentrale Crossfader bestimmt ihr Verhältnis und lässt sich modulieren. Damit dient die zweite Ebene nicht nur zum Verdoppeln eines Sounds, sondern kann innerhalb eines Patches eine eigene klangliche Funktion übernehmen.

Interessant wird die Architektur bei Quellen mit unterschiedlichen zeitlichen Verläufen. Ein kurzer digitaler Layer kann die Anschlagphase definieren, während eine zweite Quelle erst danach den Sustain-Anteil übernimmt. Ebenso lässt sich ein statischer Grundklang mit einer bewegten Textur verbinden, ohne beide Signale über die gesamte Notendauer gleich stark hörbar zu machen. Ein modulierter Crossfade erzeugt dabei einen echten Übergang zwischen den Komponenten statt einer permanenten Addition.

Gegenüber zwei separaten Plugin-Instanzen liegt der Vorteil vor allem in der gemeinsamen Verwaltung. Layer-Verhältnis, Spielbereich und klangliche Anpassung bleiben Bestandteil eines Presets und müssen nicht über mehrere MIDI-Spuren und Automationsdaten rekonstruiert werden. Für Skizzen, Sound-Auswahl und wiederkehrende Produktionsabläufe ist das schneller. Die Kehrseite: Beide Komponenten bleiben enger an die interne Struktur des Instruments gebunden. Wer getrennte Audioausgänge, unterschiedliche Insert-Ketten oder komplexes Bus-Routing benötigt, ist mit separaten Instrumentenspuren flexibler.

Für die Bearbeitung stehen pro Layer unter anderem Hüllkurven, Filterung, Pitch-, Voicing-, Unison- und Panorama-Parameter zur Verfügung. Die globale Polyphonie reicht von 8 bis 64 Stimmen. MPE wird nativ unterstützt; der Pitch-Bend-Bereich lässt sich für entsprechende Controller auf bis zu 96 Halbtöne erweitern. Technisch wichtiger als die Länge dieser Funktionsliste ist, dass sich beide Quellen unterschiedlich artikulieren und im Stereobild positionieren lassen. Erst dadurch kann ein Layer eine klar definierte Aufgabe übernehmen, statt lediglich den ersten Klang größer zu machen.

Genau hier liegt auch das häufigste Problem. Zwei breite, obertonreiche Presets ergeben selten automatisch einen besseren Sound. Im Solo-Betrieb wirkt die Kombination zunächst voller, im Arrangement steigen jedoch Pegel, Mittenbelegung und seitliche Energie gleichzeitig. Das erschwert die Platzierung im Mix und kann später unnötige Korrekturen erzwingen.

Für kontrolliertes Layering sollte deshalb vor dem Hinzufügen der zweiten Quelle feststehen, was dem ersten Klang fehlt: Attack, Sustain, Obertonstruktur, Bewegung, Breite oder eine bestimmte Textur. Liefert Layer B keine klar benennbare Funktion, ist er in vielen Produktionen überflüssig. Die Dual-Layer-Engine ist am stärksten, wenn sie Arbeitsteilung ermöglicht – nicht, wenn sie zwei komplette Presets übereinanderlegt.

Filter, Modulation und Analog Drift: Wie beweglich bleibt ein gesampelter Klang?

Bei einem sample-basierten Instrument entscheidet die nachgelagerte Engine darüber, ob ein Klang nur abgerufen oder tatsächlich in eine Produktion eingepasst werden kann. Das Ausgangsmaterial der Synth Anthology 5 ist bereits aufgenommen; seine interne Synthesestruktur lässt sich nicht neu verschalten. Filter, Modulatoren und Sequenzer müssen deshalb an anderer Stelle ansetzen: Sie verändern Spektrum, zeitlichen Verlauf und Bewegung des vorhandenen Signals.

Mit Version 5 kommen ein Ladder- und ein VCF4023-Filter hinzu. Ihr praktischer Nutzen liegt weniger darin, den aufgenommenen Synthesizer nachträglich „analoger“ klingen zu lassen. Wichtiger ist die Möglichkeit, einen grundsätzlich passenden Sound funktional zu korrigieren. Ein Pad kann im oberen Mittenbereich zurückgenommen, ein heller Digital-Sound stärker hinter andere Elemente gesetzt oder ein Bass auf den Bereich konzentriert werden, den er im Arrangement tatsächlich übernehmen soll.

Dabei verändert ein Filter nicht nur die Klangfarbe. Bei resonanten Einstellungen verschieben sich Pegelverhältnisse und wahrgenommene Präsenz; bei starkem Eingriff kann ein zuvor stabiler Patch im Mix plötzlich schärfer oder schmaler wirken. Die neuen Modelle sind deshalb nicht nur zusätzliche Klangvarianten, sondern Werkzeuge zur Anpassung eines aufgenommenen Sounds an seinen späteren Einsatz.

Analog Drift verfolgt ein anderes Ziel. Lange Töne und wiederholte Akkorde können bei sample-basierten Quellen auffällig konstant bleiben, besonders wenn wenig interne Modulation vorhanden ist. Drift führt kontrollierte Abweichungen ein und kann diese Gleichförmigkeit reduzieren. Der Effekt ist vor allem bei Pads, Sustains und langsamem harmonischem Material sinnvoll; bei Bässen, präzisen Sequenzen oder gestapelten Akkorden kann zu viel Drift dagegen Intonation und Fokus verschlechtern.

Für deutlichere Bewegung stehen LFOs und Multi-Step-Modulatoren zur Verfügung. Damit lassen sich Parameter kontinuierlich oder rhythmisch verändern, ohne die ursprüngliche Klangquelle neu programmieren zu müssen. Der erweiterte Sequenzer ergänzt einen polyphonen Modus und Note Repeats pro Step. Dadurch eignet sich die Engine nicht nur für monophone Pattern, sondern auch für Akkordfolgen, pulsierende Flächen und rhythmisch gestaffelte Wiederholungen.

Die Grenzen bleiben klar. Aus einem statischen Sample wird durch mehr Modulation nicht automatisch ein tief programmierbarer Synthesizer. Zu viele gleichzeitig bewegte Parameter können sogar den charakteristischen Kern der Hardware-Aufnahme verwischen. In der Praxis funktionieren gezielte Eingriffe besser: Filterung für die spektrale Rolle, Drift für kleine Abweichungen und Modulation nur dort, wo dem Klang im Arrangement tatsächlich Bewegung fehlt.

Proximity Explorer: Wie sich 6.000 Sounds sinnvoll durchsuchen lassen

Bei mehr als 6.000 Presets und Layern wird die Navigation Teil des Instruments. Eine Library dieser Größe ist nur dann produktiv, wenn sich ein brauchbarer Ausgangspunkt schnell eingrenzen lässt. Klassische Kategorien wie Bass, Pad oder Lead reichen dafür kaum aus: Innerhalb jeder Gruppe können sich Hunderte Sounds mit völlig unterschiedlicher Hüllkurve, spektraler Dichte und räumlicher Wirkung befinden.

Der Proximity Explorer setzt deshalb nicht beim Namen des Synthesizers, sondern bei klanglicher Ähnlichkeit an. Zu einem geladenen Layer werden acht verwandte Alternativen angeboten. Das entspricht eher der tatsächlichen Arbeit in einer Session als eine erneute Suche über Hersteller, Instrumentenfamilie oder Syntheseverfahren. Häufig ist der erste Sound bereits grundsätzlich richtig und nur in einem Detail unpassend: Der Attack ist zu weich, der Sustain-Anteil zu dicht oder die Klangfarbe zu aggressiv.

In diesem Stadium ist ein kompletter Neustart im Browser ineffizient. Sinnvoller ist es, von einem funktionierenden Ausgangspunkt aus benachbarte Varianten zu prüfen. Der Proximity Explorer kann den Suchraum dadurch deutlich verkleinern und verhindert, dass der Anwender nach jedem fast passenden Klang wieder durch die gesamte Library navigieren muss.

Besonders nützlich ist das bei weniger bekannten Hardware-Quellen. Bei 300 Instrumenten wird kaum jemand jede Modellbezeichnung mit einem präzisen Klangbild verbinden. Für die Produktion ist dieses historische Wissen auch nicht zwingend erforderlich. Ob ein geeigneter Layer aus einem analogen Klassiker, einem frühen Digitalsynthesizer oder einer seltenen Hybridmaschine stammt, ist zunächst weniger wichtig als sein Verhalten im Arrangement.

Allerdings sollte klangliche Ähnlichkeit nicht mit funktionaler Austauschbarkeit verwechselt werden. Zwei Sounds können im Frequenzspektrum nahe beieinanderliegen und sich durch Attack, Dynamik oder Stereoverhalten trotzdem völlig unterschiedlich im Mix verhalten. Ein Ähnlichkeitsbrowser kann daher Kandidaten vorsortieren, aber keine musikalische Entscheidung übernehmen.

Der praktische Wert des Proximity Explorer liegt genau in dieser Begrenzung: Er soll nicht den besten Sound bestimmen, sondern schneller zu einer kleinen Gruppe relevanter Alternativen führen. Bei einer Library dieser Größe ist das kein Komfortdetail, sondern eine Voraussetzung dafür, dass der Umfang im Produktionsalltag überhaupt nutzbar bleibt.

UVI Synth Anthology 5 in der Studiopraxis: Wo der Workflow tatsächlich Zeit spart

Der Geschwindigkeitsvorteil der Synth Anthology 5 zeigt sich weniger beim Programmieren eines einzelnen Patches als beim Wechsel zwischen Produktionsphasen. In einer frühen Skizze muss ein Sound zunächst eine musikalische Funktion erfüllen. Im Arrangement wird geprüft, ob er anderen Elementen Platz lässt. Später folgen gezielte Anpassungen, ohne dass die ursprüngliche Idee verloren gehen soll. Eine gemeinsame Engine kann diese Übergänge vereinfachen.

Beim Songwriting ist vor allem die kurze Distanz zwischen Suche und Einsatz relevant. Ein grundsätzlich passender Klang lässt sich laden, im Kontext prüfen und mit wenigen Eingriffen an Artikulation oder Spektrum anpassen. Dafür muss der Produzent die Architektur des ursprünglichen Hardware-Synthesizers weder kennen noch ein neues Plugin-Bedienkonzept erlernen. Das ist besonders bei Auftragsproduktionen, Library Music und Sessions mit engem Zeitrahmen ein praktischer Vorteil.

Im Arrangement wird die einheitliche Struktur noch wichtiger. Wenn ein Sound zu viel Raum beansprucht, muss nicht zwangsläufig ein neues Instrument gesucht werden. Hüllkurve, Filterung, Layer-Verhältnis oder Tastaturbereich können innerhalb desselben Patches korrigiert werden. Dadurch bleibt die musikalische Grundidee erhalten, während die Funktion im Stück präziser wird.

Auch Revisionen lassen sich übersichtlicher handhaben, solange der Sound vollständig innerhalb einer Instanz aufgebaut ist. Änderungen am Verhältnis zweier Layer, an der Artikulation oder an der Bewegung bleiben an einem Preset gebunden. Bei Konstruktionen aus mehreren Instrumentenspuren verteilen sich dieselben Entscheidungen dagegen schnell auf MIDI-Daten, Automationen, Insert-Ketten und Bus-Routings. Das kann flexibler sein, ist aber aufwendiger zu dokumentieren und später zu rekonstruieren.

Für Film-, Medien- und Game-Audio-Produktionen kommt die stilistische Bandbreite hinzu. Innerhalb einer Cue-Folge können analoge Flächen, frühe digitale Texturen und härtere moderne Klangquellen benötigt werden. Der Vorteil liegt hier nicht darin, dass Synth Anthology 5 jedes Spezialinstrument ersetzt. Relevant ist, dass unterschiedliche Klangrichtungen aus derselben Arbeitsumgebung heraus getestet werden können, bevor eine aufwendigere Bearbeitung überhaupt notwendig wird.

Der Zeitgewinn endet allerdings dort, wo ein Patch ohne klare Zielsetzung immer weiter ausgebaut wird. Zusätzliche Layer, Modulationen und Effekte machen einen Sound nicht automatisch geeigneter für die Produktion. Sobald eine Idee funktioniert, sollte die Bearbeitung auf das beschränkt bleiben, was im Arrangement tatsächlich fehlt. Synth Anthology 5 ist als schnelles Auswahl- und Anpassungsinstrument effizienter als als Umgebung für grenzenlose Programmierung.

Die Grenzen der Synth Anthology 5 im professionellen Einsatz

Die größte Einschränkung zeigt sich, wenn ein passender Preset-Klang grundsätzlich in die falsche Richtung entwickelt werden soll. Hüllkurven, Filter, Modulation und Layering bieten ausreichend Spielraum für Anpassungen, greifen aber auf bereits aufgenommenes Material zu. Die ursprüngliche Klangerzeugung lässt sich nicht öffnen und neu organisieren. Wer Oszillator-Sync verändern, FM-Verhältnisse neu aufbauen, in Feedback-Wege eingreifen oder eine Modulationsmatrix grundlegend umprogrammieren möchte, erreicht die Grenze der Engine.

Das betrifft nicht jeden Produktionsschritt gleichermaßen. Für die Suche nach einem funktionierenden Ausgangsklang ist die Einschränkung oft irrelevant. Problematisch wird sie, wenn sich während des Arrangements die Rolle eines Sounds stark verändert. Aus einem weichen Pad lässt sich nicht zwangsläufig genau der aggressive, rhythmisch modulierte Klang entwickeln, der später benötigt wird. Bei einem vollwertigen Synthesizer kann derselbe Patch möglicherweise weitergebaut werden; in einer sample-basierten Library ist häufig ein Wechsel der Quelle effizienter.

Ein zweiter Schwachpunkt ist die Überschneidung mit bereits vorhandenen Instrumenten. Mehr als 6.000 Presets klingen nach einem erheblichen Zuwachs, doch professionelle Studios besitzen oft längst mehrere große Synthesizer- und Sample-Sammlungen. Funktional können sich viele Kategorien wiederholen. Ein weiterer analog geprägter Bass oder ein breites Pad erweitert den Werkzeugbestand nur dann, wenn Klangcharakter oder Workflow tatsächlich etwas Neues beitragen.

Interessanter sind deshalb die weniger häufig digitalisierten Hardware-Quellen. Für bekannte Klassiker existieren zahlreiche dedizierte Software-Modelle mit tieferem Zugriff auf die ursprüngliche Architektur. Bei seltenen digitalen, hybriden oder wenig verbreiteten Instrumenten kann eine gute Sample-Repräsentation dagegen einen Klangbereich erschließen, der im vorhandenen Setup tatsächlich fehlt. Die Zahl der Hardware-Quellen ist daher weniger aussagekräftig als deren Überschneidung mit dem eigenen Bestand.

Auch die Größe der Library kann gegen den Workflow arbeiten. Der Proximity Explorer und die gemeinsame Oberfläche verbessern die Navigation, beseitigen aber nicht das grundsätzliche Problem zu vieler Optionen. Wer ohne konkrete Vorstellung durch Tausende Sounds hört, verlagert die Entscheidung lediglich in einen besser organisierten Browser. Für produktives Arbeiten bleibt eine funktionale Vorauswahl wichtiger als der Umfang des Archivs.

Im professionellen Studio kommt ein weniger sichtbarer Punkt hinzu: die Reproduzierbarkeit älterer Sessions. Eine neue Hauptversion sollte nicht automatisch als identischer Ersatz für frühere Projektinstanzen behandelt werden. Solange Kundenproduktionen, Library-Titel oder laufende Aufträge auf einer älteren Version basieren, sollten Instrumentenversion und verwendete Library dokumentiert und die ursprünglichen Inhalte nicht vorschnell entfernt werden.

Diese Vorsicht ist kein Sonderproblem von UVI, bei großen sample-basierten Instrumenten aber besonders relevant. Ein Projekt ist nur dann zuverlässig archiviert, wenn nicht nur MIDI- und Audiodaten vorhanden sind, sondern auch die verwendete Klangerzeugung reproduzierbar bleibt. Für langfristige Produktionssicherheit ist das wichtiger als ein zusätzlicher Preset-Bestand.

Marketingzahlen im Realitätscheck: Was 300 Synthesizer und 16.000 Samples tatsächlich aussagen

Bei einer Library dieser Größe dominieren zwangsläufig Zahlen die Produktdarstellung: 300 Hardware-Synthesizer, mehr als 16.000 neue Samples, über 1.000 zusätzliche Layer und mehr als 6.000 Presets und Layer insgesamt. Für die technische Bewertung sind diese Angaben nur begrenzt aussagekräftig. Sie beschreiben den Umfang des Archivs, nicht die Qualität der Abdeckung.

Entscheidend wäre beispielsweise, wie detailliert einzelne Instrumente gesampelt wurden, wie viele unterschiedliche Artikulationen und Klangzustände pro Quelle vorliegen und wie stark sich der Bestand musikalisch überschneidet. Hundert zusätzliche Hardware-Quellen können den nutzbaren Klangraum erheblich erweitern. Sie können aber auch zahlreiche Varianten bereits vorhandener Funktionen liefern. Die reine Zahl erlaubt darüber keine belastbare Aussage.

Ähnlich verhält es sich mit der Formulierung einer umfassenden Geschichte elektronischer Klangerzeugung. Die Synth Anthology 5 deckt mehrere Jahrzehnte und sehr unterschiedliche Geräteklassen ab, doch eine historische Dokumentation würde andere Maßstäbe erfordern: systematische Repräsentation wichtiger Syntheseverfahren, nachvollziehbare Auswahlkriterien und eine ausreichend tiefe Abbildung der jeweiligen Instrumente. Die Library ist in erster Linie für Produktionen organisiert, nicht als technisches Archiv der Synthesizergeschichte.

Auch neue Funktionen sollten nach ihrer Wirkung im Projekt und nicht nach ihrer Bezeichnung bewertet werden. Analog Drift ist relevant, wenn ein gehaltener oder wiederholter Klang weniger statisch wirkt. Ein zusätzliches Filtermodell ist relevant, wenn sich eine Quelle damit schneller in das Arrangement einpassen lässt. Der polyphone Sequenzer ist relevant, wenn Akkordbewegungen oder rhythmische Strukturen ohne zusätzliche MIDI-Spuren entstehen. Keine dieser Funktionen verändert für sich allein die grundlegende Klasse des Instruments.

Der belastbare Fortschritt gegenüber der Vorgängerversion liegt deshalb nicht in einem einzelnen Feature. Er entsteht aus größerer Quellenauswahl und mehreren kleinen Verbesserungen an Bearbeitung und Ablauf. Für neue Anwender kann das Gesamtpaket deutlich attraktiver sein als die vorherige Generation. Für Besitzer von Synth Anthology 4 hängt der Mehrwert dagegen davon ab, ob die zusätzlichen Hardware-Quellen und Workflow-Funktionen im eigenen Produktionsalltag tatsächlich genutzt werden.

Die sinnvollste Bewertung beginnt daher nicht bei der größten Zahl auf der Produktseite, sondern bei einer einfachen Frage: Liefert die Library schneller einen passenden Ausgangsklang als die Instrumente, die im Studio bereits vorhanden sind? Wenn nicht, bleiben 300 Hardware-Quellen vor allem ein großer Katalog.

UVI Synth Anthology 5 im Vergleich: Analog Lab, Syntronik oder Omnisphere?

Die naheliegenden Alternativen zur Synth Anthology 5 verfolgen technisch unterschiedliche Konzepte. Arturia Analog Lab bündelt Presets aus mehreren Synthese-Engines, IK Multimedia Syntronik arbeitet ebenfalls mit aufgenommenen Hardware-Quellen, und Spectrasonics Omnisphere verbindet eine große Sample-Basis mit einer deutlich tieferen eigenen Synthese-Architektur. Entscheidend ist deshalb nicht, welches Instrument insgesamt „besser“ ist, sondern an welcher Stelle des Produktionsprozesses es eingesetzt werden soll.

InstrumentTechnisches KonzeptStärke im WorkflowWesentliche GrenzeSinnvoll für
UVI Synth Anthology 5Gesampelte Hardware-Quellen in einer Dual-Layer-EngineSchneller Vergleich sehr unterschiedlicher Synthesizer-CharaktereBegrenzter Zugriff auf die ursprüngliche SynthesestrukturProduktion, Komposition, schnelle Sound-Auswahl
Arturia Analog LabGemeinsame Preset-Oberfläche für verschiedene Software-InstrumenteDirekter Zugriff auf ein zusammenhängendes Synthesizer-ÖkosystemVollständige Bearbeitung ist an die jeweiligen Instrumente gebundenKeyboarder, Produzenten, Anwender des Arturia-Ökosystems
IK Multimedia SyntronikSample-basierte Hardware-Reproduktion mit zusätzlicher Filter- und EffektbearbeitungStarker Fokus auf klassische Synthesizer-KlangweltenGroßer Library-Umfang und stärkere Konzentration auf bekannte Vintage-HardwareVintage-Synth-Produktion und sample-basierte Hardware-Sounds
Spectrasonics OmnisphereSample-basierte Quellen kombiniert mit umfangreicher Synthese und ModulationTiefes Sound Design innerhalb eines eigenständigen SystemsHöherer Preis und deutlich größerer EinarbeitungsaufwandSound Designer, Komponisten und langfristig aufgebaute Produktions-Setups

Der Unterschied zu Arturia Analog Lab liegt vor allem im Verhältnis zwischen Preset-Zugriff und zugrunde liegender Klangerzeugung. Analog Lab dient als gemeinsame Oberfläche für verschiedene Instrumentenmodelle aus dem Arturia-Ökosystem. Wer die entsprechende Vollversion besitzt, kann einen Sound in der ursprünglichen Engine weiterbearbeiten. Synth Anthology 5 hält dagegen alle Hardware-Quellen innerhalb derselben UVI-Struktur. Das beschleunigt den Wechsel zwischen unterschiedlichen Klangcharakteren, begrenzt aber den Zugriff auf die Architektur des jeweiligen Originals.

Syntronik ist der direktere Konkurrent, weil auch dort gesampelte Hardware den Ausgangspunkt bildet. Der Unterschied liegt weniger im Grundprinzip als in der Gewichtung. Synth Anthology 5 setzt auf eine sehr große Zahl unterschiedlicher Quellen und einen kompakten Dual-Layer-Workflow. Syntronik richtet den Blick stärker auf klassische Synthesizer-Familien und deren klangliche Repräsentation innerhalb eines umfangreichen Sample-Bestands. Wer möglichst viele unterschiedliche Hardware-Charaktere schnell vergleichen möchte, findet bei UVI das schlüssigere Konzept. Wer gezielt in bekannten Vintage-Klangwelten arbeitet, sollte beide Libraries nach tatsächlicher Überschneidung mit dem eigenen Bestand beurteilen.

Omnisphere ist nur teilweise ein direkter Konkurrent. Es kann ebenfalls als große Quelle produktionsfertiger Sounds eingesetzt werden, bietet aber wesentlich mehr Möglichkeiten, das Ausgangsmaterial strukturell weiterzuentwickeln. Modulation, Synthese und Sound Design reichen deutlich tiefer. Das macht Omnisphere langfristig flexibler, aber nicht automatisch schneller. Wer während einer Produktion vor allem verschiedene Hardware-Färbungen vergleichen und unmittelbar einsetzen möchte, benötigt diese zusätzliche Tiefe möglicherweise nicht.

Für die Preis-Leistungs-Bewertung ist deshalb der vorhandene Plugin-Bestand wichtiger als die absolute Zahl der Presets. In einem kleineren Setup kann Synth Anthology 5 mit einer einzigen Library zahlreiche klangliche Bereiche abdecken. In einem Studio mit umfangreichen Arturia-, UVI-, Native-Instruments- oder Spectrasonics-Bibliotheken steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit funktionaler Doppelungen. Dann sollte nicht gefragt werden, wie viele Sounds hinzukommen, sondern wie viele neue Aufgaben das Instrument tatsächlich übernimmt.

Die Auswahl lässt sich auf einen praktischen Unterschied reduzieren: Synth Anthology 5 eignet sich am besten für breite Hardware-Auswahl unter einer einheitlichen Bedienlogik. Analog Lab ist stärker, wenn das Arturia-Ökosystem und der spätere Zugriff auf einzelne Instrumente im Mittelpunkt stehen. Syntronik ist die nähere Alternative für sample-basierte Vintage-Hardware, während Omnisphere sinnvoller ist, wenn aus dem Ausgangsmaterial langfristig eigenständige und tief programmierte Sounds entstehen sollen.

Wie Synth Anthology 5 Mix, Stereoabbildung und Mastering beeinflusst

Viele Presets der Synth Anthology 5 sind so aufgebaut, dass sie bereits allein einen großen Teil des Frequenz- und Stereobilds ausfüllen können. Zwei Layer, Unison, Modulation und interne Effekte erzeugen schnell einen überzeugenden Soloklang. Im Arrangement ist dieselbe Größe nicht automatisch von Vorteil. Je vollständiger ein Preset für sich allein wirkt, desto genauer muss geprüft werden, welchen Platz es anderen Elementen lässt.

Für das Mixing ist zunächst die spektrale Belegung entscheidend. Zwei Layer können unterschiedliche Aufgaben übernehmen, aber ebenso dieselben oberen Mitten oder den gleichen Grundtonbereich verstärken. Das Problem zeigt sich häufig nicht als offensichtlicher Pegelüberschuss, sondern als sinkende Trennschärfe: Vocals verlieren Präsenz, Snare und Percussion wirken weniger definiert oder mehrere harmonische Instrumente verschmelzen zu einer dichten Fläche. Solche Konflikte lassen sich meist effizienter im Patch reduzieren als später mit mehreren EQ-Stufen reparieren. Müssen Klangfarbe, Dynamik und Pegel anschließend gemeinsam kontrolliert werden, beginnt die Arbeit klassischer Mixing-Werkzeuge – ein anderer Ansatz, den wir im Test von Acustica Audio Cream 3 anhand eines Channel-Strip-Workflows analysiert haben.

Ähnlich kritisch ist die Stereoabbildung. Unison, gegenläufige Modulationen und räumliche Effekte können viel seitliche Energie erzeugen. Das wirkt auf Kopfhörern oder im Sweet Spot breit, kann bei der Monosumme jedoch an Stabilität verlieren. Entscheidend ist nicht die Stereobreite allein, sondern die Korrelation zwischen den Kanälen. Enthalten wichtige Klanganteile stark unterschiedliche Informationen auf links und rechts, kann sich ihre Balance bei Mono-Wiedergabe deutlich verändern.

Für Streaming-Plattformen benötigt Synth Anthology 5 keine besondere Behandlung. Relevant ist vielmehr, was mit den Sounds im Arrangement geschieht. Stark dekorrelierte Signale, schnelle Modulation in den oberen Frequenzbereichen und dichte Effektfahnen stellen verlustbehaftete Codecs stärker unter Druck als kontrollierte, spektral geordnete Quellen. Das bedeutet nicht, dass breite Synthesizer vermieden werden sollten. Ihre Funktion sollte jedoch vor dem finalen Export auch in Mono und nach datenreduzierter Wiedergabe kontrolliert werden.

Auch die erreichbare Lautheit wird bereits im Arrangement beeinflusst. Mehrere lang ausklingende oder stark geschichtete Synthesizer erhöhen die durchschnittliche Energie eines Mixes und reduzieren den Abstand zwischen Spitzen- und Durchschnittspegel. Im Mastering reagiert der Limiter dann früher, obwohl kein einzelnes Element auffällig laut ist. Zusätzliche Lautheit wird in solchen Fällen nicht primär durch aggressivere Dynamikbearbeitung gewonnen, sondern durch weniger gleichzeitige spektrale Belegung.

Schwieriger wird die Korrektur, wenn problematische Layer bereits zusammen gerendert wurden und nicht mehr separat vorliegen. Dann reichen klassische EQ- oder Dynamikwerkzeuge je nach Material nur begrenzt aus, weil sie das gesamte Summensignal bearbeiten. Spektrale Editoren verfolgen hier einen anderen Ansatz und können einzelne Klangbestandteile gezielter sichtbar und bearbeitbar machen. Welche Möglichkeiten und Grenzen das in der Praxis hat, zeigt unsere technische Analyse von Steinberg SpectraLayers 13.

Aus Sicht von Mixing und Mastering ist die wichtigste Konsequenz deshalb einfach: Ein großer Preset-Sound sollte nicht nachträglich in den Mix gezwungen werden. Hüllkurve, Layer-Verhältnis, Filterung, Unison und interne Effekte sollten bereits während der Produktion so eingestellt werden, dass der Klang seine Funktion mit möglichst wenig unnötiger Energie erfüllt. Das verbessert die Trennung im Mix, stabilisiert das Stereobild und lässt dem finalen Master mehr Spielraum.

Performance, CPU-Belastung und Produktionssicherheit

Bei der Synth Anthology 5 lässt sich die Systemlast nicht auf einen einzigen CPU-Wert reduzieren. Die Engine arbeitet mit Sample-Streaming, gleichzeitig werden Filter, Modulation, Unison, Effekte und bis zu zwei Layer in Echtzeit berechnet. Je nach Patch verschiebt sich der Engpass deshalb zwischen Prozessor, Arbeitsspeicher und Datenträger.

Die Stimmenzahl ist dabei ein wesentlicher Faktor. Ein zweilagiges Pad mit langen Release-Zeiten kann bei gehaltenem Pedal innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr aktive Stimmen erzeugen als ein monophoner Bass oder eine kurze Sequenz. Unison und zusätzliche Verarbeitung erhöhen die Last weiter. Die maximale Polyphonie von 64 Stimmen sollte deshalb als verfügbarer Spielraum verstanden werden, nicht als sinnvoller Standard für jeden Patch.

In umfangreichen Projekten ist außerdem die Summe der Instanzen entscheidend. Einzelne Patches können unauffällig laufen, während viele gleichzeitig aktive Instrumente durch Sample-Zugriffe und Echtzeitbearbeitung deutlich höhere Anforderungen stellen. Für reproduzierbare Aussagen zur CPU-Effizienz wären Messungen mit identischer DAW, Sample-Rate, Buffer-Größe und vergleichbaren Patches notwendig. Pauschale Aussagen wie „CPU-schonend“ oder „rechenintensiv“ sind ohne diesen Kontext wenig belastbar.

Eine SSD ist für eine Library dieser Größe die sinnvolle Arbeitsgrundlage. Sie verkürzt nicht nur Ladezeiten, sondern verbessert auch den Wechsel zwischen Presets und das Öffnen umfangreicher Sessions. Wie stark der Datenträger im konkreten Projekt beansprucht wird, hängt zusätzlich davon ab, welche weiteren sample-basierten Instrumente parallel auf dasselbe Laufwerk zugreifen.

Für professionelle Produktionen sollte die technische Umgebung eines Projekts dokumentiert werden. Dazu gehören mindestens die verwendete Host-Version – UVI Workstation oder Falcon –, die Library-Version und bei langfristig archivierten Sessions auch die wesentlichen Systemdaten. Vor Updates von Host, Betriebssystem oder DAW ist ein separater, überprüfbarer Projektstand sinnvoller als die Annahme, dass ältere Sessions unverändert weiterlaufen.

Zur Langzeitstabilität der fünften Version sind unmittelbar nach Veröffentlichung keine belastbaren Aussagen möglich. UVI Workstation und Falcon sind etablierte Plattformen, doch daraus folgt nicht automatisch, dass jede Kombination aus DAW, Betriebssystem, Audio-Interface und Projektgröße identisch reagiert. Einzelne positive oder negative Nutzerberichte reichen für eine allgemeine Bewertung nicht aus.

Für bezahlte Sessions gilt deshalb die übliche Studio-Praxis: neue Instrumentenversionen zuerst unter den eigenen Produktionsbedingungen testen, bevor sie zum festen Bestandteil kritischer Projekte werden. Relevant sind dabei nicht nur Abstürze, sondern auch Ladezeiten, Preset-Wechsel, Automation, Session-Recall und Verhalten bei niedrigen Buffer-Größen.

Fachliches Fazit: Der Wert liegt im Zugriff, nicht in der Zahl der Synthesizer

UVI Synth Anthology 5 ist kein Instrument für Anwender, die einen bestimmten Hardware-Synthesizer möglichst vollständig in Software ersetzen wollen. Dafür fehlt der direkte Zugriff auf die ursprüngliche Klangerzeugung. Seine Stärke liegt an einer anderen Stelle: Eine ungewöhnlich breite Auswahl realer Hardware-Quellen wird so organisiert, dass sie sich innerhalb eines konstanten Workflows vergleichen und weiterverarbeiten lässt.

Version 5 entwickelt dieses Konzept sinnvoll weiter. Hundert zusätzliche Hardware-Quellen erweitern den Bestand deutlich, während neue Filter, Analog Drift und der ausgebaute Sequenzer die Bearbeitung flexibler machen. Das ist ein substanzielles Update, aber kein technologischer Neustart. Besitzer der Vorgängerversion sollten deshalb weniger auf die Zahl der neuen Inhalte als auf die tatsächlichen Lücken im eigenen Sound-Bestand schauen.

Im Produktionsalltag überzeugt die Synth Anthology 5 vor allem dann, wenn schnell zwischen sehr unterschiedlichen Klangcharakteren entschieden werden muss. Die gemeinsame Engine reduziert Browser-Wechsel und hält Layering, Anpassung und Preset-Verwaltung in einem System. Dieser Vorteil ist real. Er verschwindet jedoch, sobald der Anwender ohne klares Ziel durch Tausende Sounds hört oder von einem Patch die programmiertechnische Tiefe eines vollwertigen Synthesizers erwartet.

Für Produzenten, Komponisten und Sound Designer mit Bedarf an einer breiten Hardware-Palette ist das Instrument langfristig sinnvoll. In bereits stark ausgestatteten Studios hängt der Mehrwert dagegen davon ab, wie viele der seltenen und weniger häufig emulierten Quellen tatsächlich neue Klangbereiche erschließen. Wer schon mehrere große Synthesizer-Ökosysteme besitzt, sollte funktionale Überschneidungen kritischer prüfen als den Umfang der Preset-Liste.

Die klare Position lautet: Synth Anthology 5 ist als schneller Zugriff auf viele unterschiedliche Hardware-Charaktere überzeugender als als Ersatz für einzelne Synthesizer. Wer Sounds auswählt, kombiniert und gezielt an ein Arrangement anpasst, nutzt die Stärke des Konzepts. Wer tief in Oszillatorstrukturen, Modulationswege und das Verhalten eines konkreten Originals eingreifen will, braucht ein anderes Instrument.

MEHR ALS NUR EIN MIX MASTERING IST ENTSCHEIDEND

FAQ zu UVI Synth Anthology 5

Ist UVI Synth Anthology 5 ein eigenständiges Plugin?
Nein. Die Library wird in UVI Workstation oder Falcon geladen. In der DAW läuft entsprechend der jeweilige UVI-Host als Plugin; für die normale Nutzung genügt die kostenlose UVI Workstation.

Braucht man Falcon für UVI Synth Anthology 5?
Nein. Falcon ist keine Voraussetzung. Er ist vor allem für Anwender relevant, die über die vorgesehene Oberfläche hinaus tiefer auf Synthese, Modulation und interne Strukturen der UVI-Plattform zugreifen möchten.

Welche Plugin-Formate unterstützt Synth Anthology 5?
Die Einbindung erfolgt über UVI Workstation oder Falcon. Unterstützt werden VST, VST3, Audio Units und AAX; zusätzlich stehen Standalone-Anwendungen zur Verfügung.

Unter welchen Betriebssystemen läuft Synth Anthology 5?
UVI nennt Windows 10 oder neuer sowie unterstützte macOS-Versionen als Plattformen. Vor dem Kauf sollte zusätzlich geprüft werden, ob die verwendete DAW, der UVI-Host und das Betriebssystem in der konkreten Version miteinander kompatibel sind.

Wie viel Speicherplatz benötigt UVI Synth Anthology 5?
Für die Installation werden rund 21 GB freier Speicherplatz benötigt. Eine SSD ist im Studio sinnvoll, weil sie Preset-Wechsel, Ladezeiten und das Öffnen größerer Sessions beschleunigt.

Benötigt Synth Anthology 5 einen iLok-Dongle?
Ein physischer iLok-Dongle ist nicht zwingend erforderlich. Für die Autorisierung wird jedoch ein kostenloses iLok-Konto benötigt.

Kann Synth Anthology 5 zwei Hardware-Quellen gleichzeitig spielen?
Ja. Die Engine arbeitet mit zwei Layern, die unterschiedliche Quellen laden und gemeinsam in einem Patch verwalten können. Tastaturbereiche, Pegel und weitere Parameter lassen sich an die jeweilige Aufgabe im Arrangement anpassen.

Wie hoch ist die CPU-Belastung von Synth Anthology 5?
Ein pauschaler Wert ist nicht seriös. Die Last hängt unter anderem von Polyphonie, Layer-Anzahl, Unison, Effekten, Modulation, Sample-Rate und Buffer-Größe ab. Aussagekräftig ist nur ein Test im eigenen DAW-Setup.

Eignet sich Synth Anthology 5 für Mixing und Mastering?
Nicht als Bearbeitungswerkzeug. Der Nutzen liegt vor dem Mixing: Eine passende Klangquelle und kontrolliertes Layering können spektrale Konflikte reduzieren. Für Mastering-Aufgaben bietet das Instrument keine spezialisierten Funktionen.

Was ist die beste Alternative zu Synth Anthology 5?
Das hängt vom Ziel ab. Analog Lab eignet sich stärker für das Arturia-Ökosystem, Syntronik für sample-basierte Vintage-Synth-Klangwelten und Omnisphere für deutlich tieferes Sound Design. Keine dieser Alternativen verfolgt exakt denselben Schwerpunkt.

Lohnt sich das Upgrade von Synth Anthology 4 auf Version 5?
Das Upgrade ist vor allem dann sinnvoll, wenn die zusätzlichen Hardware-Quellen und die erweiterten Bearbeitungsfunktionen im eigenen Workflow genutzt werden. Wer bereits mit Version 4 nur einen kleinen Teil der Library verwendet, gewinnt durch mehr Inhalte nicht automatisch mehr Produktivität.

Kann Synth Anthology 4 nach dem Upgrade deinstalliert werden?
Bei laufenden oder archivierten Projekten sollte die ältere Version zunächst erhalten bleiben. Vor einer Deinstallation muss geprüft werden, ob alle relevanten Sessions mit der neuen Version vollständig und reproduzierbar geöffnet werden können.

Об авторе: mix-master

Частичное или полное копирование любых материалов сайта возможно только с указанием ссылки на первоисточник.

Читайте также: